Kon­troll­ver­fah­ren

Human Rights Council

Teil IV des UN-Zivil­pakts, der die Arti­kel 28—45 umfaßt, ent­hält das Kon­troll­ver­fah­ren hin­sicht­lich der Ver­wirk­li­chung und Siche­rung der im vor­an­ge­hen­den mate­ri­el­len Teil behan­del­ten Rech­te. Das Rechts­schutz­sys­tem ist dem der UN-Ras­sen­dis­kri­mi­nie­rungs­kon­ven­ti­on ähnlich.

Im Gegen­satz zum UN-Sozi­al­pakt, der auf die­sem Gebiet in wesent­li­chen Punk­ten unter­schied­li­che Rege­lun­gen vor­sieht, wur­den hier die von der Men­schen­rechts­kom­mis­si­on der Ver­ein­ten Natio­nen vor­ge­schla­ge­nen Kon­troll­be­stim­mun­gen in den spä­te­ren Bera­tun­gen in der Voll­ver­samm­lung erheb­lich geändert.

Der UN-Zivil­pakt kennt kei­ne Durch­set­zung mit Sank­ti­ons­mög­lich­kei­ten, son­dern zwin­gend nur ein all­ge­mei­nes Berichts­sys­tem (Arti­kel 40). Hier­nach sind die Ver­trags­staa­ten verpflichtet,—über den UN-Generalsekretär—dem nach Arti­kel 28 ff. zu errich­ten­den Aus­schuß für Men­schen­rech­te über die Maß­nah­men, die sie zur Ver­wirk­li­chung der im Pakt aner­kann­ten Rech­te getrof­fen haben und über die dabei erziel­ten Fort­schrit­te zu berich­ten. Der Gene­ral­se­kre­tär gibt die Berich­te an alle Ver­trags­staa­ten wei­ter und kann dazu all­ge­mei­ne Bemer­kun­gen machen. Das im Ent­wurf der Men­schen­rechts­kom­mis­si­on nicht ent­hal­te­ne Wort „all­ge­mei­ne” war wegen sei­ner man­geln­den Ein­deu­tig­keit umstrit­ten und wur­de erst spä­ter gegen die Stim­men einer beträcht­li­chen Anzahl von Staa­ten ein­ge­fügt. Die „all­ge­mei­nen Bemer­kun­gen” sind jeden­falls schwä­cher als die „Emp­feh­lun­gen”, die der Wirt­schafts- und Sozi­al­rat gemäß Arti­kel 21 des Sozi­al­pak­tes geben kann.

Fakul­ta­tiv ist neben dem all­ge­mei­nen Berichts­sys­tem im UN-Zivil­pakt bei frei­wil­li­ger Unter­wer­fung und unter der Vor­aus­set­zung der Gegen­sei­tig­keit die Staa­ten­be­schwer­de vor­ge­se­hen (Arti­kel 41 des UN-Zivil­pak­tes). Die Vor­aus­set­zung einer beson­de­ren Unter­wer­fungs­er­klä­rung war im Ent­wurf der Men­schen­rechts­kom­mis­si­on nicht ent­hal­ten, son­dern wur­de spä­ter auf Grund des Wider­stands einer Grup­pe von Staa­ten gegen eine obli­ga­to­ri­sche Staa­ten­be­schwer­de dem Arti­kel 41 vorgeschaltet.

Auch die Staa­ten­be­schwer­de führt nach dem Ver­such einer güt­li­chen Eini­gung durch den Men­schen­rechts­aus­schuss zu einem Bericht, der sich bei feh­len­der Eini­gung auf eine Dar­stel­lung des Sach­ver­halts beschränkt. Er wird den betei­lig­ten Staa­ten zuge­stellt und wird nicht ver­öf­fent­licht. Auch in die­sem Punkt wur­de der Ent­wurf der Men­schen­rechts­kom­mis­si­on abge­schwächt. Er sah vor, dass der Bericht auch Fest­stel­lun­gen dar­über ent­hal­ten sol­le, ob eine Ver­let­zung des Pak­tes durch den „beklag­ten” Staat vor­lie­ge. Durch die spä­te­ren Ände­run­gen wur­de der Cha­rak­ter des Men­schen­rechts­aus­schus­ses, wie er von der Men­schen­rechts­kom­mis­si­on zunächst vor­ge­se­hen war, von einem judi­zie­ren­den Organ in eine Ver­gleichs­in­stanz umgeformt.

Die­se Ent­wick­lung ergab sich, weil eine star­ke Min­der­heit in den Ver­ein­ten Natio­nen zunächst jeg­li­che “supra“nationale Kon­troll­in­stanz in ers­ter Linie als Ein­mi­schung in inne­re Ange­le­gen­hei­ten, Ver­let­zung der staat­li­chen Sou­ve­rä­ni­tät und als Herd für inter­na­tio­na­le Span­nun­gen ablehn­te. Das Ergeb­nis ist ein Kom­pro­miß, der ein Min­dest­maß an Kon­trol­le und gleich­zei­tig die Aner­ken­nung des Pak­tes durch eine mög­lichst gro­ße Zahl von Mit­glied­staa­ten sicher­stel­len soll. Hier­bei ist aller­dings zu bemer­ken, daß die so akzen­tu­ier­te Auf­ga­be des Aus­schus­ses, Dif­fe­ren­zen auf­zu­klä­ren und güt­lich bei­zu­le­gen, bei gutem Wil­len auf allen Sei­ten und posi­ti­ver Ein­stel­lung gegen­über dem Pakt erfolg­reich und wir­kungs­voll sein kann. Gelingt es dem Men­schen­rechts­aus­schuss nicht, eine güt­li­che Rege­lung zu fin­den, so kann er mit Zustim­mung der betrof­fe­nen Ver­trags­staa­ten eine ad hoc-Ver­gleichs­kom­mis­si­on ein­set­zen, die die­ses Ziel wei­ter­ver­folgt (Arti­kel 42 des UN-Zivilpaktes).

Die Ein­zel­hei­ten über die Zusam­men­set­zung des Aus­schus­ses und der Kom­mis­si­on, die Orga­ni­sa­ti­on sei­ner Tätig­keit und die Stel­lung sei­ner Mit­glie­der sind in Arti­kel 28 ff. des UN-Zivil­pak­tes geregelt.

Die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land hat die Aner­ken­nungs­er­klä­rung nach Arti­kel 41 des UN-Zivil­pak­tes bei Hin­ter­le­gung der Rati­fi­ka­ti­ons­ur­kun­de abgeben.

Bild­quel­len:

  • Human Rights Coun­cil: UN Photo/​Violaine Martin

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